Die menschliche Seele wurde oft mit einem inneren Garten verglichen. Hier liegen unsere Möglichkeiten und Lebensträume wie Samenkörner. In ihnen ist alles schon enthalten, wir müssen sie nur noch großziehen. Sie brauchen Zuwendung, Licht und Luft, um sich zu entwickeln. EntWICKELN. Als würde man nur etwas auseinanderwickeln, was schon vorhanden ist.
Ich glaube, wenn wir uns nie den Raum nehmen, Zeit mit unseren innersten Wünschen zu verbringen, gehen sie ein.
So beschreibt es Hermann Hesse im Steppenwolf:
„Man stelle sich einen Garten vor, mit hunderterlei Bäumen, mit tausenderlei Blumen, hunderterlei Obst, hunderterlei Kräutern. Wenn nun der Gärtner dieses Gartens keine andre botanische Unterscheidung kennt als „essbar“ und „Unkraut“, dann wird er mit neun Zehnteln seines Gartens nichts anzufangen wissen, er wird die zauberhaftesten Blumen ausreißen, die edelsten Bäume abhauen oder wird sie doch hassen (…) So macht es der Steppenwolf mit den tausend Blumen seiner Seele.“
Das ist wohl die schönste Begründung, auch den irrationalen Ideen Raum zum Wachsen zu geben. Der brotlosen Kunst. Entgegen aller gut gemeinten Ratschläge. In der Welt braucht es auch Orchideen.
mit dem westlichen Denken gerät man oft in eine blinde Produktivität. Bei so viel Effizienz kann man leicht vergessen, wohin man da eigentlich so schnell rennt. Das, was von Außen wie Nichtstun aussieht (Meditieren, Nachdenken) bringt uns unseren wirklichen Zielen viel näher, denn innerlich passiert ganz viel. Muskeln wachsen nur an Ruhetagen – ich glaub mit Lebensplänen ist es ähnlich
Wer die Kunst in sich wachsen lassen will, wird ausgelacht werden.Alle Menschen, die die Welt verändert haben, wurden zuerst ausgelacht.
Schule und Uni haben uns beigebracht, zu funktionieren. Wir sind wie Zirkuspferde, denen man jahrelang sinnlose Kunststücke beibringt, um sie dann wieder in freie Wildbahn zu entlassen. In eine Welt, in der es plötzlich keinen Applaus mehr dafür gibt, möglichst brav zu gehorchen. Dann haben wir es so gründlich verlernt, für uns selbst zu sorgen und auf uns selbst zu hören. Wir tun dann alles, um wieder jemanden zu haben, der uns Befehle gibt. Wir suchen uns eine feste Anstellung.
Aber selbst wenn man mal erkannt hat, was alles an Ideen in uns schlummert, woher weiß man, für welche man sich entscheiden soll?
Woher weiß ich, ob ich eine Familie gründen, auswandern oder doch Gärtnerin werden will?
In unserer Welt der 1000 Möglichkeiten kenne ich nichtmal alle, die ich umsetzen könnte. Manchmal hätte ich gern ein Parallelleben, nur um zu wissen, wie es geworden wäre, hätte ich mich damals für einen anderen Weg entschieden.
Es fühlt sich an, als würde man vor einem vollen Apfelbaum stehen, mit der Aufgabe, sich für einen Apfel zu entscheiden. Während man dasteht und nicht weiterweiß, sieht man, wie die ersten Äpfel faul werden und abfallen. Wie Möglichkeiten, die man nicht schnell genug ergriffen hat.
Vielleicht findet man seine sinnvollste Möglichkeit dann, wenn sie auch für andere Sinn macht?
Wenn ich meine Kraft in etwas investiere, was sonst nicht gehört und gesehen wird? Wenn ich sie nicht einem Unternehmen gebe, für mehr Konsum in der Welt. Sondern denen, die unser Konsum gefährdet?
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich da angekommen bin, wo ich jetzt bin. An dem Punkt wo ich weiß, dass ich meine Stimme einer Thematik widmen will, die immer dringender wird: unsere Bäume, Tiere und Pflanzen brauchen uns. Täglich verschwinden Arten, täglich machen wir unser Klima weiter kaputt.
Wertvolle Gedanken kommen tief aus unserem Unterbewusstsein. Sie äußern sich nicht an stressigen Tagen. Sie brauchen Ruhe zum Schlüpfen.
Gedanken brauchen Zeit zum Wachsen und Liebe als Dünger
Wenn es irgendetwas gibt, was ich sinnvoll finde, dann der Gedanke, dass noch viele Generationen nach mir in einem Garten sitzen und nachdenken können. Dass sie Trost im Rauschen der Baumkronen finden können. Dass sie auf langen Waldspaziergängen Ruhe finden und ihre eigene Stimme wieder hören.
