Warum ich nicht mehr vegan lebe

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Als ich 7 Jahre alt war, beschloss ich, Vegetarier zu werden. Auf meinem Schulweg kam ich an einer Weide mit Kühen vorbei. Jeden Tag kamen sie ein Stück näher auf mich zu, wir lernten uns allmählich kennen.
Ich freute mich, wenn sie zum Zaun gelaufen kamen und mir Gras aus der Hand fraßen. Es machte mich unendlich glücklich, diesen Tieren beim Kauen zuzusehen. Ich mochte es, ihr aufgeregtes Pusten an den Händen zu spüren, wenn ich ein neues Grasbüschel über den Zaun reichte.

Ich war alt genug, einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem Fleisch auf meinem Teller und diesen von mir so geliebten Tieren. Der Gedanke, sie zu essen, wurde mir immer unerträglicher.

Ich verkündete meiner Mutter, dass ich von nun an kein Fleisch mehr essen wollte – auch kein Huhn, keine Wurst, keinen Fisch. Alle Tiere waren meine Freunde. Sie war nicht begeistert, kochte aber von da an vegetarisches Essen für mich.

Ab diesem Zeitpunkt bis zu meinem 35. Lebensjahr habe ich kein Fleisch mehr angerührt.

Wissenschaftlich bewiesen: Vegan ist gesund. Oder..?

Später fing ich an, mich zu belesen. Zuerst das Standardwerk aller Veganer: Tiere essen. Danach war ich entschlossener denn je.
Ich sammelte Infos darüber, dass Vegetarier sehr gesund leben. Die China Study besagt, dass die gesündeste Ernährung kein tierisches Eiweiß enthält. Ich fühlte mich bestätigt und hatte das Gefühl, ich mache alles richtig.

Trotzdem ging es mir nicht gut. Ich wurde oft krank, ich hatte Zahnprobleme, ich war immer müde. Mir war rund ums Jahr kalt, ich schlief selbst im Sommer unter einem dicken Federbett.

Ich war überzeugt, mit meiner Pflanzenernährung alles richtig zu machen, warum war ich dann nicht kerngesund?
Bestimmt lag es daran, dass ich immer noch tierisches Eiweiß esse, dachte ich – und stieg auf vegan um.

Aber meine vegane Ernährung verschlimmerte meine Probleme – meine Haut wurde schlechter und ich hatte immer weniger Energie.

Wildpflanzen als Lösung?

Ich lernte, Wildpflanzen in meine Ernährung einzubauen. Das brachte Verbesserung, aber so richtig gesund war ich noch immer nicht. Ich machte Teekuren, die zwar halfen, aber eben nicht nachhaltig.
Die Beschwerden, die ich am dringendsten loswerden wollte (Neurodermitis, schlechte Zähne), blieben.

Ratlos schaute ich auf Ernährungspyramiden, Schaubilder, Diagramme. Es war immer dasselbe: Wer gesund sein will, muss möglichst viel Obst und Gemüse essen. Genau das tat ich doch! Ich kaufte nur noch im Bioladen ein und hörte auf, Zucker zu essen – obwohl ich nie viel davon gegessen hatte. Stattdessen erhöhte ich den Rohkostteil in meinem Speiseplan. Ich merkte, wie meine Gedanken immer weiter um Ernährungsthemen kreisten, wie ich ständig ans Essen dachte – besonders an das, was ich mir verboten hatte.

Wurzelbehalndelte Zähne, poröse Knochen und Hashimoto

Wegen beständig anhaltender Zahnprobleme wurde mein kompletter Kiefer geröntgt. Die Diagnose war ernüchternd: meine wurzelbehandelten Zähne hatten sich entzündet, mein Kieferknochen hatte sich zurückgebildet und war an einer Stelle bis auf einen Bruchteil nicht mehr vorhanden.
Ursache bei den Wurzelbehandlungen war zwar eher Zahnarztpfusch, aber der Zustand meiner Knochen zeigte eindeutig mangelnde Nährstoffversorgung.
Was ich lange nicht verstanden habe: schlechte Zähne sind nicht genetisch bedingt (so wird es ja gern erzählt). Karies wird auch nicht nur durch Zucker verursacht, sondern der Körper entzieht in Mangelsituationen den Knochen und Zähnen Nährstoffe. Das macht sie angreifbarer.

Weitere Blutuntersuchungen ergaben, dass ich Hashimoto hatte; eine Autoimmunkrankheit, bei der sich die Schilddrüse allmählich abbaut. Meine Hormonproduktion war gestört, auch deshalb war mir ständig kalt.

Ich wusste; es bestand akuter Handlungsbedarf. Der Zahnarzt empfahl mir, vorerst kein Obst mehr zu essen und stattdessen mehr tierische Produkte. Am besten wäre ich mit Paleo beraten, sagte er.

Genau das hatte ich auf gar keinen Fall hören wollen. Ich liebte Obst! Obst war doch gesund, das hatte ich von kleinauf gelernt. Ich hatte die Paleobewegung immer belächelt und mich genau entgegengesetzt zu ihren Empfehlungen verhalten. Aber ich musste etwas ändern und ich war verzweifelt genug, einen Versuch zu starten.

3 Monate ohne Kohlenhydrate

Ich stieg für 3 Monate auf ketogene Ernährung um. Das heißt: kein Getreide, kein Obst, kein Zucker. Kohlenhydrate aß ich nur noch in sehr eingeschränkten Mengen. Milchprodukte ließ ich auch komplett weg.
Stattdessen aß ich sehr viel Gemüse (in Form von Salat und Suppe) – alles außer Tomaten und Karotten (zu viele Kohlenhydrate).
Nüsse und Kerne standen weit oben auf dem Speiseplan, genau wie Eier, Kokosöl und manchmal Fisch.

Es gibt Menschen, die sich gleichzeitig vegan/vegetarisch und ketogen ernähren. Allerdings ist das sehr einseitig und wäre für mich nicht machbar gewesen – es ging ja darum, gesund zu werden.

Ich tat mich sehr schwer damit, meinen Speiseplan einzuhalten und sehnte mich oft nach Äpfeln und Beeren. Doch das Ergebnis war erstaunlich.
Ich würde gern etwas anderes behaupten, aber nichts hat mir so schnell geholfen wie kohlenhydratarme Ernährung. Ich war endlich nicht mehr müde, meine Haut glänzte und hatte keine Unreinheiten mehr.

Vegane Ersatzprodukte sind auf Dauer nicht empfehlenswert

Ich verstand allmählich, dass ich mich vorher überhaupt nicht gesund ernährt hatte. Besonders vegane Ersatzprodukte wirken sich oft fatal aus, denn sie enthalten entweder Soja, das die Hormonproduktion stört. Oder Seitan, das aus hoch konzentriertem Weizen besteht und bestehende Entzündungen fördert – auch davon sollte man bei Schilddrüsenproblemen die Finger lassen.

Ich schaffe es leider nicht dauerhaft, auf Obst und Getreide zu verzichten. Aber ich gehe bewusster damit um.

Ich wäre liebend gern für immer Vegetarier geblieben – vegetarisches Essen schmeckt mir sehr gut und ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Tut es aber. Meine Blutwerte zeigen; es mangelt an Zink, Eisen, Magnesium und Selen im großen Stil.

Trauriges Fazit: Pflanzliche Nahrung enthält nicht genug Nährstoffe

Ich hasse es, mir das einzugestehen. Ich höre nicht auf, vegan zu essen, weil es mir nicht schmeckt. Den Moment beim Grillabend, wenn man als Vegetarier doch plötzlich schwach wird, kenne ich nicht. Ich höre auf, vegan zu essen, weil ich Mangelerscheinungen habe.

Ich weiß, dass auch vegetarische Lebensmittel die oben genannten Nährstoffe enthalten. Allerdings in viel zu kleinen Mengen. Ich habe während meiner veganen Jahre Kürbiskerne, Brennnesseln, Haferflocken und Naturreis in rohen Mengen gegessen. Leider völlig vergebens, denn das darin enthaltene Magnesium/Zink/Eisen nahm ich leider nicht auf.

Das nächste Problem ist; es gibt Nährstofftabellen, die besagen, wie viel Nährstoff in welcher Pflanze steckt. Aber darüber ist fast keine standardisierte Aussage möglich. Auch Pflanzen müssen Nährstoffe erstmal aufnehmen – das können sie nur, wenn aber der Boden, auf dem sie wachsen, genug davon enthält. Wer nicht gerade biodynamische Landwirtschaft betreibt, laugt die Böden aus – so wird Gemüse irgendwann zu schnittfestem Wasser.

Pflanzen enthalten auch Anti-Nährstoffe

Ein weiteres Problem mit der rein pflanzlichen Ernährung sind die Lektine. Eine Pflanze möchte grundsätzlich nicht gegessen werden und betreibt daher eine Art biologische Kriegsführung. Sie verdirbt ihren Fressfeinden mit bestimmten Stoffen den Appetit.
Gluten ist wahrscheinlich das Lektin, von dem jeder schonmal gehört hat, aber es gibt noch viele andere. Manche Lektine kann man eliminieren, indem man Pflanzen auf bestimmte Arten zubereitet (Erhitzen, Fermentieren, etc.). Traditionelle Essenszubereitungen geraten in Vergessenheit – auch das ist ein Grund für immer mehr Unverträglichkeiten.

Alternative zu Fleisch: Knochen und Innereien

Es muss nicht immer gleich Muskelfleisch sein. Das größte Problem unserer Gesellschaft ist ja, dass nur bestimmte Teile vom Tier gegessen werden und der Rest im Müll landet.
Knochen enthalten sehr wertvolle Nährstoffe und kosten fast nichts. Ich koche mir daraus Suppe – so habe ich weniger das Gefühl, ein Tier zu essen, als würde ich in ein Steak beißen.
Da sie weggeschmissen würden, wenn ich sie nicht nutzen würde, habe ich hier kein schlechtes Gewissen.

Auch Innereien werden selten nachgefragt, sind aber sehr viel gesünder als Muskelfleisch. Ich habe mich noch nicht rangetraut, arbeite aber daran.

Kreislaufwirtschaft beinhaltet Tierhaltung

„Das Ideal der Biodynamischen Wirtschaftsweise ist die Kreislaufwirtschaft: Der Landwirt hält so viele Tiere, wie er mit seinem Land ernähren kann und deren Mist sorgt für eine hohe Bodenfruchtbarkeit, die beste Lebensmittel für den Menschen hervorbringt“, heißt es auf der Webseite von Demeter.
In der traditionellen Landwirtschaft wurde immer Fleisch gegessen. Von einem Tier wurde aber auch immer alles verwertet. Zu diesem „nose to tail“ Konzept gibt es inzwischen auch wieder Kochbücher. Denn wer weiß heutzutage noch, wie man Nierenzapfen, Kutteln oder Hühnerfüße zubereitet?

Ich hoffe sehr, dass es in Zukunft mehr Menschen geben wird, die Knochen und Innereien verwenden. Denn bei völlig fehlender Nachfrage verschwinden diese Lebensmittel aus den Ladentheken und landen direkt im Müll.

Muss es gleich Paleo sein?

Ich musste mich wirklich quälen, um eine fast kohlenhydratfreie Ernährung 3 Monate durchzuhalten. Da in dieser Zeit Lockdown war, habe ich alles selbst eingekauft und gekocht – anders wäre es nicht gegangen. Es ist schon schwierig genug, Lebensmittel ohne weißen Zucker zu kaufen, Essen ohne Kohlenhydrate wird zu einer echten Aufgabe und ist absolut nicht alltagstauglich (es sei denn, man isst fast nur noch Fleisch, das war für mich ausgeschlossen).

Ich hatte während dieser Monate Zeit, von einem Biomarkt zum nächsten zu laufen, um meine Spezial-Nahrungsmittel zu bekommen. Hätte ich statt in Hamburg in einer Kleinstadt gewohnt, wäre meine Ernährungsform nicht möglich gewesen.

Auch Kinder oder ein Vollzeitjob hätten mein Paleo-Projekt ganz sicher scheitern lassen. Das Ganze war ein Fulltime Job.

Ich glaube nicht, dass Getreide generell ungesund ist. Dazu gibt es zu viele Völker (z.B. in Bergregionen wie Nepal), die sehr große Mengen davon essen und kerngesund sind. Ich glaube, dass das Problem in der Überzüchtung des Weizens liegt.

Würde man alte Getreidesorten verwenden (die von Natur aus weniger Gluten enthalten) und würde man Getreide so wie früher zubereiten (z.B. Teig lange gehen lassen), wäre es ein gesundes Lebensmittel. Hierzulande ist es sehr schwierig geworden, echtes Sauerteigbrot zu bekommen.

Mein Learning: Wer vegan lebt, muss Nährstoffe supplementiern

Am liebsten ernähre ich mich noch immer größtenteils pflanzlich. Ich supplementiere aber die Nährstoffe, die mir fehlen – so bin ich nicht komplett auf Fleisch angewiesen.

Ich glaube, dass es in einer idealen Welt – ohne ausgelaugte Böden, mit natürlich gewachsenen Pflanzen – ausreicht, vegan zu leben. Aber in so einer Welt leben wir leider nicht mehr. Unsere Nahrung ist überzüchtet, die Böden verlieren immer mehr Nährstoffe. Unser Entgiftungssystem ist überfordert. Wir haben immer mehr Stress, schlafen immer schlechter und verbrauchen daher auch mehr Nährstoffe.

Was ich immer noch wärmstens empfehlen kann, sind Wildpflanzen, denn sie enthalten die höchste Nährstoffdichte. Sie enthalten Bitterstoffe, die für unsere Verdauung absolut essentiell sind und aus den meisten Gemüsesorten rausgezüchtet wurden.

Wilde Pflanzen sind außerdem Medizin und perfekt geeignet, um Symptome zu lindern. Auf Dauer sollte man sich aber fragen, woher die Symptome kommen. Ich kann eine Entzündung mit bestimmten Kräutern in Schach halten, aber warum habe ich denn überhaupt Entzündungen?

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Mehr Fleischkonsum tut der Welt sicher nicht gut – und natürlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass konventionelle Fleischerzeugung abgeschafft gehört.
Bestimmt will ich keinen Veganer von seinem Weg abbringen. Ich verstehe es von Herzen, wenn man keinem Tier Leid zufügen will.
Inzwischen glaube ich aber, dass bewusster Konsum von tierischen Produkten vertretbar ist.

Ich selbst hätte mir gewünscht, früher Bescheid gewusst zu haben, es hätte mir viel erspart.

Meine Blutwerte waren immer okay gewesen – bis ich eines Tages eine ausführliche Blutuntersuchung machte (kein großes Blutbild, sondern eine Nährstoffanalyse im Vollblut). Das Ergebnis zeigte, dass ich sehr viele Mängel hatte.

Als ich dann beim Zahnarzt meinen Kiefer röntgen ließ, wurde mir klar, dass Handlungsbedarf bestand: mein Kieferknochen war porös und meine Zähne waren schon länger nicht mehr in gutem Zustand.

Mich hatte das immer gewundert, denn ich aß kaum Zucker. Karies kann allerdings genauso durch Nährstoffmangel ausgelöst werden, denn wenn der Körper nicht genug davon hat, baut er weniger davon in Knochen und Zähne ein. Karies kommt also eher von innen und nicht nur durch äußere Probleme wie Zucker. Zucker ist übrigens auch ein Nährstoffräuber und nicht nur ein Zahnschmelz-Angreifer.

Ich handhabe es inzwischen so; ich esse Knochenbrühe (hilft sehr gut bei Leaky Gut, also einem löchrigen, entzündeten Darm)

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