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Die wilden Gärten Keralas

In Naturreisezieleby Pflanzenfrau2 Comments

Wer in Kerala über die Backwaters schippert, erhält guten Einblick in die Gärten der Menschen. Wenn er sie denn als Gärten erkennt. Ich dachte anfangs auch, das sei alles Dschungel, in dem zufällig hin und wieder jemand Bananen erntet.

Hier versteht man das Konzept Garten einfach anders. Es wird wenig gejätet, gerupft und beeinflusst, sondern eher wachsen gelassen.

Rasenmäher habe ich nur in den Hotelanlagen gesehen, die Gärten der Menschen sind sehr naturbelassen. Trotzdem oder gerade deshalb ernähren sie die ganze Familie. Nachhaltig, denn hier wird kein Wachstum mit Chemie erzwungen. So bleibt der Boden nährstoffreich und der Garten bringt immer wieder von selbst das hervor, was am meisten Sinn macht.

Ein kurzer grüner Rasen wie bei uns ist so widernatürlich, da kann die Natur gar nicht mitspielen.
Ich freue mich immer zu sehen, wie im englischen Rasen Unkraut spriesst, wie die Amseln ihn zerhacken oder Maulwürfe ihn umgraben.
Sie alle haben Recht. Sie alle betreiben Denaturierungsmaßnahmen, wo Menschen Mist verzapfen. Sie alle versuchen nur, ein Gleichgewicht wieder herzustellen, das wir kaputt gemacht haben. Ein Gleichgewicht, ohne das irgendwann gar nichts mehr wachsen kann.

Keine Pflanze wächst zufällig neben einer anderen. Sondern immer nur deshalb, weil sie sich ergänzen. Weil die eine die andere vor Schädlingen schützt, weil sie Symbiosen eingehen. Das, was wir Unkraut nennen, ist sehr nützlich. Wir kennen es nur nicht.

Wir wissen nicht, dass Löwenzahn den Boden aufbereitet. Dass seine Pfahlwurzeln Kanäle in tiefere Bodenschichten bilden, die dann auch für weniger kräftige Pflanzen zugänglich werden.
Wir wissen nicht, dass Moos ein wichtiger Wasserspeicher für den Boden ist. Dass es die Feuchtigkeit so speichert, dass sie langsam an die Umgebung abgegeben werden kann, statt sofort zu versickern.
Wir wissen auch nicht, dass wir dann am gesündesten wären, wenn wir das „Unkraut“ essen würden statt dem künstlich gezogenen Supermarktgemüse.

Das, was wir als Unkraut oder Unordnung empfinden, ist ein geniales System. Der Milliarden Jahre alte Garten-Bauplan der Natur. Warum meinen wir ständig, wir wüssten es besser?

Warum nehmen wir mühsamste Arbeit auf uns und jäten stundenlang unsere Beete? Warum machen wir es so furchtbar schwer? Warum kämpfen wir gegen eine Natur, die uns bestens versorgen würde, würden wir sie bloß mehr in Ruhe lassen? Wieso nehmen wir manchmal sogar Chemie in Kauf? Nur damit auch der letzte Lebensbereich, der Garten von allem Wilden, Unvorhergesehenen befreit wird?
Warum ist uns der Gedanke so zuwider, dass in unseren Gärten etwas wächst, das wir nicht selber angepflanzt, nicht selbst bestimmt haben?

Ein Garten sollte keine einheitliche grüne Fläche sein, da könnte man genauso gut einen Teppich ausrollen. Ein Garten sollte leben, sprießen und von beiden, Mensch und Natur zusammen gestaltet werden.
Da braucht man keine Angst vor Chaos haben, der Plan des Wachsens ist durchdacht. Jeder schöpferische Akt entsteht aus dem Chaos. Wenn wir nicht hin und wieder mal feste Strukturen in kleine Stücke zerreißen und neu zusammensetzen, kann nichts Neues entstehen.
Ein Garten ist dazu da, um genau das zu lernen. Um sich jeden Tag überraschen lassen zu können, was so Neues wächst.

Palmen Kerala Indien

Man muss zwar jäten, weil Kulturgemüse nicht so stark ist wie wilde Kräuter. Aber man muss dabei nicht so radikal vorgehen wie der durchschnittliche Kleingärtner.

Ich glaube, ein guter Gärtner kann akzeptieren, dass er nicht der alleinige Gestalter seines Gartens ist.

Dass es über ihm noch eine sehr viel größere Macht gibt, die darüber bestimmt, was bei ihm wächst. Dass er sich der Natur anpassen muss, wenn er gute Ernten einfahren will.
Wir versuchen stattdessen um jeden Preis, die Natur unseren Bedürfnissen anzupassen. So funktioniert das nunmal nicht.
Ich glaube, es würde uns sehr viel besser gehen, wenn wir uns mehr an ihre Rhythmen halten würden. Vielleicht würde es uns die Orientierung geben, die uns fehlt. Den Sinn, den wir verloren haben und den wir in Konsum, Schönheitswahn und Narzissmus versuchen, wiederzufinden.

Was mir in Kerala, abgesehen von den Gärten, gut gefiel war das Namasté, so begrüßt man sich hier.

Namasté. Übersetzt bedeutet es: Ich grüße das Schöne, das Göttliche in dir. Es beinhaltet den Glauben daran, dass jeder Mensch auf seine Art schön ist. Unverändert, unoperiert, ungeschminkt. Mit Falten und Macken. So wie ihn die Natur konzipiert hat, ist er gut, da muss man sich gar nicht einmischen.
Ich hatte den Eindruck, mit den Pflanzen war es ähnlich. Hier schien niemand das Bedürfnis zu haben, sie zu manipulieren.

Wir sind alle genau so gemeint, wie wir sind, Menschen und Pflanzen. Es geht nicht darum, etwas so lange zu verändern, bis es unserem Ideal entspricht. Es geht darum, die Schönheit in etwas zu erkennen, so wie es ist.

Diese Einstellung ist eine sehr gesunde. Wer noch nicht davon überzeugt ist, dass sie glücklich macht, schaut euch hier die Gesichter der Menschen aus Kerala an!
Die Menschen auf meinen Fotos sind alle ungeschminkt, keiner von ihnen hat in den Spiegel geschaut, bevor ich ein Bild machte. Sie wussten, sie sind gut genug. Sie hatten nicht das Gefühl, künstlich lächeln zu müssen, sich verstellen oder sich vorher umziehen zu müssen. Sie konnten zu genau der Schönheit stehen, die ihnen gegeben wurde. Sie wussten, dass ihr Aussehen Ausdruck des göttlichen Funken ist, den Namaste beschreibt.

Essen vom Bananenblatt
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