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Das Geheimnis der Fichte

In Pflanzenportraits by Pflanzenfrau3 Comments

Die Fichte ist zweifacher Rekordhalter im Reich der Bäume:
1. Sie ist der häufigste Baum der Welt (auch wenn man die angepflanzten Bestände außer Acht lässt)
2. Der älteste Baum der Welt ist eine Fichte (bald feiert sie ihren 10.000sten Geburtstag)

Wie hat die Fichte das geschafft?
Wenn man ihr Wesen näher betrachtet, scheint nichts davon erfolgsvorsprechend. Ihre Wurzeln reichen nicht besonders tief, im Kampf der Baumkronen um das Licht kann sie sich nicht gut durchsetzen. Ihr Holz ist eher weich und nachgiebig. Alles keine Eigenschaften, mit denen man die Welt erobert, oder?

Aber vielleicht ist es genau das, was die Fichte so stark macht. Sie lässt anderen Bäumen den Vortritt. Ihre Nachbarbäume wurzeln viel tiefer in den Boden, dafür stützen sie die Fichte aber mit, wenn es stürmt.

Es scheint Bescheidenheit und gute Nachbarschaft zu sein, mit der die Fichte sich weltweit durchsetzen konnte.


Die Fichte tut das Gegenteil von dem, was Manager und Betriebswirte tun; sie kämpft nicht mit Konkurrenz. Sie versucht nicht, andere zu unterdrücken.
Als alter Schamanenbaum scheint sie es besser zu wissen.
Stattdessen verwendet sie ihre Kraft für ein gutes Miteinander, das lässt sie Erfolg und Gegenliebe ernten.
Besonders Fichten untereinander sind sehr kommunikativ. Benachbarte Fichten blühen nicht nur zur gleichen Zeit, sondern auch im gleichen Rhythmus. Eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass Fichten nur alle 3-7 Jahre blühen und dass die Vorbereitung auf die Blüte (im Frühling) bereits im Sommer vorher geschieht

Gruppendynamik geht der Fichte über alles!

Was wäre, wenn wir uns ein Beispiel an der Fichte nehmen würden? Das klingt vielleicht erstmal verrückt, weil wir gelernt haben, Bäume als primitive, seelenlose Gebilde wahrzunehmen.
Aber denken wir an Gaudí, der den Baum vor seinem Fenster als den besten Lehrer seines Lebens bezeichnete. Der die Architektur seiner Gebäude von der Wachstumsstruktur der Bäume übernahm.
Oder an die Naturvölker, die in Pflanzen unsere Mütter oder weisen Geschwister sehen. Nehmen wir mal einen Moment lang an, sie hätten Recht.
Was wäre, wenn wir unsere Kräfte wie die Fichte für eine Gemeinschaft, für ein großes Ganzes einsetzten?
Wenn wir aufhören würden, unsere Energie mit Neid, Ärger und schlechten Gedanken zu verpulvern?
Wenn wir nicht ständig nach rechts und links schauen, sondern uns auf unser eigenes Leben konzentrieren würden?

Bei den Bäumen hat auch jeder Baum seine ganz eigene Strategie, aber es gibt kein besser und schlechter.


Ich glaube jedenfalls nicht, dass eine Fichte ihre Fortpflanzungsstrategie je überdenkt. Dass sie überlegt, ob sie lieber Früchte tragen soll, weil der Apfelbaum das auch so macht.

Das Leben wird sehr viel einfacher, wenn sich jeder auf seine Qualitäten konzentriert. Wenn man als Pflaumenbaum das Beste aus Licht und Boden für die schönsten Pflaumen holt und sich nicht wünscht, Kirschen zu tragen.

Ich glaube, es würde auch uns Menschen besser gehen, wenn wir das Beste aus dem machen, was uns gegeben wurde. Wenn wir anerkennen könnten, was andere gut machen. Wenn wir uns gegenseitig wahrnehmen und helfen.

Erwin Thoma (Die sanfte Medizin der Bäume) fasst die Botschaft der Fichte so zusammen:

„Loslassen und netzwerken, anstatt zu kämpfen. Das führt besser ans Ziel. Wer mit seiner Arbeit zuerst einmal anderen etwas Gutes tun will, statt den Mitbewerber zu vernichten, der erntet Lebensfreude, Erfüllung und Gesundheit ganz von allein.“

Quellen:
Moser, Maximilian & Thoma, Erwin: Die sanfte Medizin der Bäume
Stumpf, Ursula: Mythische Bäume

Comments

  1. Danke , dein Artikel hat mich sehr inspirierend! Möge ich mich immer dran erinnern.

  2. Pingback: Bosque pintado - Der bemalte Wald von Oma im Baskenland - Pflanzenfrau

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