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Warum Aschenputtel ausgerechnet Haselnüsse geschenkt bekam

In Pflanzenportraitsby Pflanzenfrau2 Comments

Wie viele andere Märchen haben wir Aschenputtel oft gelesen, aber nie komplett verstanden. Denn hier ist alles voller Symbol und Bedeutung.

Aus der Hasel wurden früher Zauberstäbe geschnitzt und Wünschelruten abgebrochen. Zu Zeiten „als das Wünschen noch geholfen hat“ und Wissen mittels Märchen weitergegeben wurde.
Der Haselstrauch war eine wichtige Verbindung zur Anderswelt und zu den Ahnen. Das machte ihn zu einer beliebten Weihnachtspflanze.
Manche Menschen können noch immer durch die Hasel Kontakt zu anderen Welten aufnehmen. Es müssen nicht immer die Ahnen sein, auch innere Phantasie- und Traumwelten macht der Strauch angeblich zugänglich.
Svenja Zuther zum Beispiel wurde von einem Haselnussstrauch so in den Bann gezogen, dass sie ein komplettes Interview mit ihm führen konnte. (nachzulesen in ihrem Buch Die Sprache der Pflanzenwelt)

Aber zurück zu Aschenputtel. Sie bekommt einen Haselzweig von ihrem Vater, einem Kaufmann. Haseln waren die Pflanzen des Merkur oder des griechischen Hermes. Dem Gott der grenzüberschreitenden Händler, Ärzte und Diplomaten (daher kommt übrigens auch das Wort MERKantil). 
Hermes trug immer einen schlangenumwundenen Haselstab bei sich. Als er damit die grunzenden Urmenschen berührte, konnten sie plötzlich artikuliert sprechen.

Die alten Germanen pflanzten Haseln auf dem Platz, auf dem sie Versammlungen abhielten. Sie glaubten, die Pflanze könne kluge Gedanken vermitteln.

Aschenputtel pflanzt die Hasel auf das Grab ihrer Mutter und ab da wird ihr der Strauch zum Mutterersatz. Was sie braucht, bekommt sie vom Strauch geschenkt; die Ballkleider und die goldenen Schuhe.
Das ist eine Anspielung auf Artemis (römisch Diana), sie war die Göttin der Entrechteten, ihr war der Haselstrauch geweiht.
Seit der Antike hat man ihr Bild in die Haselnussträucher gehängt.

Wer den Haselwurm isst, kann Tiere sprechen hören


Es gab noch andere Hasel-Geschichten. Man glaubte früher an den Haselwurm oder die Kröndlnatter, die unter dem Strauch lebt. Es war eher ein Drache als ein Wurm (der Lindwurm war ja auch nicht wirklich ein Wurm), ein weißer Drache mit goldener Krone.
Die Schlange konnte nur in hellseherischen Zuständen wahrgenommen werden und nur von sehr sensiblen Menschen. Wer also Sinn für unsichtbare Dinge hat, sollte das schnell mal ausprobieren!
Denn: Wer ein Stück vom Haselwurm abschnitt und aß, konnte die Stimmen der Tiere verstehen und wusste plötzlich um die Heilwirkung aller Pflanzen.

Die Schlange ist also ein Sinnbild für die Kräfte des Haselnussstrauchs. Schlangen und Echsen verkörperten schon immer die Weisheit der Erde.

Wolf Dieter Storl erklärt es so:
„Die weiße Schlange mit leuchtender Krone ist eine Metapher für das weiße Rückenmark und das Reptilienhirn, in dem unsere Instinkte, die Erfahrung von vielen hundert Millionen Jahren, angesiedelt sind. In Indien kennt man das Bild der Kundalini-Schlange. Sie symbolisiert die geballte Urkraft, die im Wurzel-Chakra am Ende der Wirbelsäule ruht. Wenn diese Schlangenkraft geweckt wird, steigt sie nach oben bis in den Kopf. Dabei verwandelt sie sich in strahlendes geistiges Licht, das wie eine goldene Krone getragen wird. Ein solches erleuchtetes Bewusstsein ist etwas anderes als das vergleichbar dumpfe, alltägliche Kopfwissen, das auf Versuch und Irrtum beruht und auf dem mühseligen Sammeln von Daten und Fakten.“

Das passt gut dazu, dass die Haselnuss für das Wünschen steht.

Unser Wissen um die ureigenen Wünsche geht schnell abhanden. Von überall versucht man uns künstliche Bedürfnisse und Wünsche einzureden, bis wir sie irgendwann für unsere eigenen halten

Auch das Wünschen ist eine Kunst, die trainiert werden muss. Nur wenn wir einen Wunsch genau formulieren können, ist das Ziel klar. 
Wenn man sich nicht immer wieder vor Augen führt, was man will, wird man seinen Wunsch nie erreichen.

Unsterblicher Haselnussstrauch

Haselsträucher sterben nie richtig ab, sondern aus dem Totholz sprießt immer wieder ein neuer Baum, deshalb lässt sich ihr Alter nicht schätzen. Vielleicht sind die Haselsträucher vor unserer Haustür schon viele hundert Jahre alt, das würde auch erklären, warum sie mit Weisheit assoziiert wurden.

Haselnüsse gesund

Haselnüsse waren schon in der Steinzeit ein wichtiges Nahrungsmittel. An Fossilienfunden kann man erkennen, dass die Sträucher damals das ganze Land bedeckten, bis sie von Eichen verdrängt wurden.

Das kann die Haselnuss:

  • hilft bei Sodbrennen, da sie überschüssige Magensäure binden kann. Beim Kauen gut einspeicheln!
  • ein ganzes B Vitamin Sortiment versorgt die Nerven – für Wachheit, Aufmerksamkeit, Zuversicht und einen souveränen Umgang mit Stress 
  • viel Kalzium stärkt Knochen und Zähne
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren beeinflussen die Blutfettwerte positiv
  • Biotin (Vitamin B7) und Vitamin E- sorgen für kräftiges Haar und gesunde Haut
  • Haselnussöl wirkt hautglättend und beugt Falten und Schwangerschaftsstreifen vor

Auch die Heilwirkung der Blätter und Kätzchen ist leicht in Vergessenheit geraten:

  • Kätzchentee ist schweißtreibend und fiebersenkend
  • Hildegard von Bingen produzierte ein Hautpulver aus den Blütenknospen; trocknen, mörsern und mit Öl auf die betreffenden Stellen reiben – hilft bei Akne und Ekzemen
  • Hilfe bei Krampfadern: Blätter und Rinde enthalten Gerbstoffe (zusammenziehend, entzündungshemmend), ätherisches Öl (keimtötend) und Betulin (sorgt für glatte Haut). Betulin kennt man eigentlich aus der Birkenrinde, aber die beiden gehören zur gleichen Baumfamilie (Birkengewächse). Für einen Absud Blätter und Rinde 30 Minuten köcheln und für Krampfader-Umschläge verwenden.

Die Hasel hilft übrigens nicht nur Menschen, sondern auch Bienen. Die Knospen fangen schon Anfang Februar an zublühen und sind eine der ersten Futterquellen im Jahr.

Quellen:
Stumpf, Ursula: Mythische Bäume
Storl, Wolf-Dieter: Die alte Göttin und ihre Pflanzen
Zuther, Svenja: Die Sprache der Pflanzenwelt
Fischer-Rizzi, Susanne: Blätter von Bäumen

Comments

  1. Hallo Planzenfrau,

    auch dieser Beirag ist wieder mal informativ und spannend.

    Und dein Video…. zum Niederknien schön, wie immer. Die Fotos, Texte und Musik – alles berührt uns auf wunderbare Art.
    Wir wünschen dir ein gesundes und erfülltes neues Jahr!

    F. & E.

  2. Author

    Ihr Lieben,

    vielen herzlichen Dank, das wünsche ich euch auch!

    Ganz liebe Grüße aus Hamburg, Caroline

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