heilpflanzen wissenschaftlich

Heilpflanzen – wissenschaftlich bewiesen?

In Pflanzenanwendung by Pflanzenfrau3 Comments

Wenn man die moderne Medizin fragt, ist Heilpflanzen nicht recht zu trauen. Viele werden als völlig wirkungslos beschrieben oder als gefährlich diffamiert.
So erging es zum Beispiel dem Huflattich. Ein Säugling starb angeblich, weil die Mutter Kräutertee mit Huflattich getrunken hatte. Bei genauer Recherche ergab sich, dass die Mutter auch regelmäßig Drogen genommen hatte. Trotzdem hält sich das Huflattich-Gerücht bis heute.

Immer wieder interessant ist, wie oft man hört, Kräutertee würde nichts bringen. Wie aber dann die gleichen Quellen plötzlich behaupten, Kräuter wirkten tödlich oder krebserregend.
Es gibt regelmäßig Warnkampagnen gegen bestimmte Kräuter, die scheinbar über Nacht vom wirkungsfreien Pflänzchen zur gefährlichen grünen Hydra mutieren.

Wie viele Menschen an den Nebenwirkungen der „normalen“ Medikamente sterben, wird dagegen nie groß verkündet.

Ist Heilpflanzen-Wissen beweisbar?

Die Wildpflanzen- Studienlage ist dünn. Das liegt hauptsächlich daran, dass niemand teure Studien für etwas finanziert, das kostenlos draußen rumsteht.
Pflanzenwissen beruht eher auf von Generation zu Generation weitergegebenen Erfahrungen.

Nur in den Ländern, in denen die Pharmaindustrie noch nicht komplett herrscht und die Volksmedizin aktiv betrieben wird, werden Kräuter besser erforscht.
An mehreren Unis in Russland, der Türkei und Bulgarien kamen wissenschaftliche Studien zum Ergebnis, dass die Volksmedizin Pflanzen immer schon auf die richtige Art genutzt hatte. Ohne von den Inhaltsstoffen zu wissen.
Es gab auch bis dato unbekannte Indikationen, allerdings nur zu Krankheiten, die erst seit Kurzem existierten. Man fand zum Beispiel Inhaltsstoffe gegen Allergien, die unsere Vorfahren nie hatten.

Braucht man also Studien, wenn sich Mittel über sehr lange Zeit als hilfreich bewiesen haben?

wissenschaftlich bewiesen Wildpflanzen

Dass man als moderner Mensch etwas über Wirkstoffe wissen will, ist verständlich. Wer dazu erzogen wurde, rational zu denken, für den sind erstmal nur rationale Argumente greifbar.

Aber komplett erforschbar scheinen Pflanzen sowieso nicht zu sein. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind sicher ein guter Weg, die Welt zu verstehen und zu entschlüsseln. Aber sie hat ihre Grenzen:

Je tiefer man vordringt, desto mehr erkennt man, dass Materie nur Energie ist, über deren Herkunft man nichts sagen kann

Max Planck, Physiker

Selbst wenn man alle ihre Inhaltsstoffe bis in den Nanogrammbereich kennt, kann man daraus keine Pflanze herstellen.

Wenn man alle Inhaltsstoffe chemisch nachbildet und als Pille verabreichert, hat das nicht die gleiche Wirkung wie die komplette Pflanze, teilweise ist sie sogar gegenteilig.
Es scheint das Gesamtkonzept der Pflanze zu sein, das wirkt.

Das bringt uns zurück zu den Erkenntnissen, die schon viele Philosophen hatten: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Es muss etwas geben, das die Pflanze wirksam macht und das die Wissenschaft nicht greifen kann.

Eigentlich ist es bei Menschen nicht viel anders: Wir sind chemisch gesehen auch nur ein Haufen Proteinverbindungen. Was uns wirklich ausmacht, kann man in keine Formel pressen.

„Wer will was Lebendiges erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist herauszutreiben;
Dann hat er die Teile in seiner Hand;
Fehlt leider! nur das geistige Band.“
Goethe, Faust I

Könnte man nicht einfach hinnehmen, dass sich Menschen und Pflanzen über Milliarden von Jahren so entwickelt haben, dass sie sich ergänzen? Warum sollte eine Pflanze, die über so lange Zeit geheilt hat, plötzlich giftig oder schädlich sein?
Warum sollte eine über relativ wenige Jahre entwickelte Wissenschaft plötzlich schlauer sein als ein über Milliarden Jahre alte Evolution?
Sie hat unseren Körper zu etwas geformt, was sich offenbar sehr gut mit Pflanzen versteht und vielleicht können wir unserer Körper-Weisheit einfach vertrauen?

99% der Menschheitsgeschichte haben in der Jäger- und Sammlerepoche stattgefunden. Wir sind genetisch gut an wild gesammelte Nahrung angepasst.

Viele pflanzliche Heilanwendungen sind in etwa genauso alt. In dieser Zeit des Pflanzensammelns hat sich eine Pflanzenmedizin entwickelt. Eine Volksheilkunde, von der man wusste, dass sie funktioniert, die man aber nicht in Formeln darstellen konnte.
Ich bin kein Freund des „immer schon so gewesen“-Argument, aber wenn dieses immer schon Milliarden von Jahren alt ist, finde ich es einfach überzeugend.

Dass Pflanzenwissen intuitiv sein könnte, zeigt auch, wie Tiere Heilpflanzen nutzen. 

Gemsen wälzen sich bei Verletzungen auf blutstillendem Alpenwegerich, Schafe fressen Schafgarbe bei Darmproblemen, Seehunde umwickeln Wunden mit antibiotisch wirkendem Seetang.
Jane Goodall entdeckte bei Schimpansen eine ganze Kräutersammelkultur. Kranke Schimpansen fraßen Aspilia, die ihnen ganz offensichtlich nicht schmeckte und die sie teilweise sogar erbrachen. Die Pflanze enthält in den Morgenstunden ein schwefelhaltiges, antibiotisch wirkendes Öl. Genau dann ernteten die Affen sie.

Vielleicht hätten wir die gleiche Intuition, wenn wir sie nur nicht verlernt hätten?
Oder haben wir sie, lassen sie uns aber immer wieder von wissenschaftlichen Erkenntnissen absprechen?

Vielleicht haben wir im Grunde im Gefühl, was uns gut tut und was nicht. Aber wir leben in einer Welt, die das Fühlen verlernt und mit Denken ersetzt hat. Ich weiß nicht, ob das immer der richtige Weg ist.

„Wir dürfen niemals den Irrtum fördern, dass die menschlichen Probleme sich wie mathematische lösen ließen.“
Hermann Hesse

Quellen:
Storl, Wolf Dieter: Kräuterkunde
Beiser, Rudi: Vergessene Heilpflanzen

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